{"id":2757,"date":"2025-09-10T16:28:35","date_gmt":"2025-09-10T14:28:35","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtgarten-verein.koeln\/?page_id=2757"},"modified":"2025-09-10T17:34:22","modified_gmt":"2025-09-10T15:34:22","slug":"edel-kastanie-castanea-sativa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stadtgarten-verein.koeln\/index.php\/stadtgarten-karte\/edel-kastanie-castanea-sativa\/","title":{"rendered":"Edel-Kastanie (Castanea sativa)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer liebt ihn nicht, den k\u00f6stlichen Duft der frisch ger\u00f6steten Maronen auf den Herbst- und Weihnachtsm\u00e4rkten? Den wenigsten ist jedoch bekannt, dass die Edel- oder Ess-Kastanie, von der die dunkelbraunen Fr\u00fcchte stammen, auch in unseren Breiten sehr gut gedeiht und in einigen Gebieten Deutschlands seit Jahrhunderten angebaut wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Baumart entstand vermutlich vor 2,5 Mio Jahren zum Ende des Terti\u00e4rs und war auch in Mitteleuropa verbreitet. In den Zwischeneiszeiten konnte sie noch in Island nachgewiesen werden, nach der letzten Kaltzeit hatte sie sich jedoch in den \u00f6stlichen Mittelmeerraum und in den S\u00fcdkaukasus zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer zur\u00fcckgezogen. Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde sie dort als Obstbaum kultiviert und breitete sich nach Kleinasien und auf die Balkanhalbinsel aus. Seit der Antike wird sie im gesamten Mittelmeerraum angebaut und gelangte durch die R\u00f6mer vor etwa 2000 Jahren wieder in die Gebiete n\u00f6rdlich der Alpen bis nach Britannien. Nach dem r\u00f6mischen Gelehrten Plinius dem \u00c4lteren soll der botanische Name auf den griechischen Ort Castanna zur\u00fcckgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im westlichen Deutschland kommt sie in gr\u00f6\u00dferen Best\u00e4nden auf w\u00e4rmebeg\u00fcnstigten Standorten in der Rheinebene, im Maingebiet, an der Saar, der Mosel und im Taunus vor. Einzelb\u00e4ume sind jedoch in ganz Deutschland anzutreffen. Ihr Verbreitungsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen liegt am Niederrhein. Ab etwa 1920 wurde sie im Gebiet des heutigen Kreises Wesel auf gr\u00f6\u00dferen Fl\u00e4chen als Waldbaum angebaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Edel-Kastanie bevorzugt wintermilde Standorte mit lockeren und gut durchwurzelbaren B\u00f6den und bildet dort ein kr\u00e4ftiges Wurzelsystem mit Pfahl- und weitstreichenden Seitenwurzeln aus. Verdichtete und staunasse sowie kalkreiche Standorte werden gemieden. Sie kann ein Alter von 500 bis 600 Jahren, im Mittelmeerraum auch bis zu 1000 Jahren erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juni und Juli erscheinen ihre bis zu 25 cm langen k\u00e4tzchenf\u00f6rmigen Bl\u00fctenst\u00e4nde, die eine wertvolle Bienenweide sind. Unter den Imkern ist die Kastanienbl\u00fcte sehr begehrt, denn aus ihr entsteht ein dunkler, bernsteinfarbener, aromatisch-herbw\u00fcrziger Kastanienhonig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gl\u00e4nzenden, dunkelbraunen Fr\u00fcchte bilden sich in einem stacheligen Fruchtbecher. Mit der Reife fallen diese ab Ende September bis Mitte Oktober vom Baum und werden von Eichh\u00f6rnchen, Siebenschl\u00e4fern und V\u00f6geln nat\u00fcrlich verbreitet. Die schmackhaften, st\u00e4rkehaltigen Kastanien wurden bereits in der K\u00fcche der Griechen und R\u00f6mer f\u00fcr die Herstellung von Mehl, Brot und Suppen verwendet. Aus der Kultivierung der Edel-Kastanie sind bis heute \u00fcber 100 verschiedene Sorten entstanden. Diese Zuchtsorten unterscheiden sich in Gr\u00f6\u00dfe und dem Aussehen von der Wildform und werden als Maronen bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Edel-Kastanien bilden im Freistand einen relativ kurzen und knorrigen Hauptstamm, der sich nach wenigen Metern in eine breitstreichende Krone verzweigt. Im Wald wachsen die B\u00e4ume mit einem schlanken und je nach Dichtstand auch astfreien Stamm auf und k\u00f6nnen bis zu 35 m hoch werden. Ihre in der Jugend graue, glatte Rinde wird im Alter grob l\u00e4ngsrissig und borkig. Am oftmals drehw\u00fcchsigen Stamm windet sich die Borke meistens in einer linksdrehenden Spirale um den Baum. Das gelbbraune Kernholz der Edel-Kastanie \u00e4hnelt optisch dem der Eiche, ist jedoch leichter und etwas weicher. Durch einen hohen Gerbstoffgehalt ist es sehr witterungsbest\u00e4ndig und wird daher gerne im Au\u00dfenbereich im Zaun- und Spielger\u00e4tebau aber auch f\u00fcr die Lawinenschutzverbauung verwendet. Bereits die R\u00f6mer nutzten das haltbare Holz f\u00fcr Rebpf\u00e4hle und den Bau von Weinf\u00e4ssern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Baumart in der Lage ist, sich \u00fcber sogenannte Stockausschl\u00e4ge aus der Wurzel zu regenerieren, wurde und wird sie auch heute noch gro\u00dffl\u00e4chig als Niederwald bewirtschaftet. Nach etwa 20 Jahren werden die B\u00e4ume bei dieser Nutzungsform geschlagen, aus den Wurzelst\u00f6cken wachsen Stockausschl\u00e4ge wieder nach, die dann nach weiteren 20 Jahren wieder gef\u00e4llt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den anhaltenden klimatischen Ver\u00e4nderungen findet die Baumart in den letzten Jahren eine immer gr\u00f6\u00dfere Beachtung, da sie sowohl in Gebieten mit mediterranem wie auch in k\u00fchleren Klimazonen gedeiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freistehende Edel-Kastanien bieten bereits in jungen Jahren reichlich Potential, Biotope f\u00fcr zahlreiche Tierarten zur Verf\u00fcgung zu stellen. Bunt- und Gr\u00fcnspechte mei\u00dfeln gerne ihre Bruth\u00f6hlen in die durch abgestorbene \u00c4ste gebildeten Faulstellen. Gr\u00f6\u00dfere H\u00f6hlen, entstanden durch F\u00e4ulnisprozesse an Stark\u00e4sten und Rindenverletzungen, werden gerne vom Waldkauz angenommen und bieten Flederm\u00e4usen und Kleins\u00e4ugern Unterschlupf. Vermodernde Wurzelst\u00f6cke sind ein Lebensraum f\u00fcr die Larven des Hirschk\u00e4fers und weiterer Totholzk\u00e4ferarten. Mit der Pflanzung von Edel-Kastanien an Waldr\u00e4ndern und im Freistand werden daher gezielt wertvolle Biotopb\u00e4ume in die Landschaft eingebracht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"812\" height=\"760\" src=\"https:\/\/stadtgarten-verein.koeln\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/196-Edel-Kastanie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2758\" srcset=\"https:\/\/stadtgarten-verein.koeln\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/196-Edel-Kastanie.jpg 812w, https:\/\/stadtgarten-verein.koeln\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/196-Edel-Kastanie-300x281.jpg 300w, https:\/\/stadtgarten-verein.koeln\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/196-Edel-Kastanie-768x719.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 812px) 100vw, 812px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildquelle: Christoph Michels, Dipl. 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